„Deutschland, siehst du das nicht?“ – OPUS 45 zu Gast in Schwerin

Roman Knizka bei der Konzertlesung mit dem Bläserquintett OPUS 45.

Wie zerbrechlich ist Demokratie? Und was können uns Texte erzählen, die vor fast hundert Jahren geschrieben wurden? Diesen Fragen widmete sich die Konzertlesung „Deutschland, siehst du das nicht?“ mit dem Schauspieler Roman Knižka und dem Bläserquintett OPUS 45 im Schweriner Konservatorium.

Der Titel des Abends geht auf ein Gedicht von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1930 zurück. Ein Warnruf aus einer Zeit, in der die erste deutsche Demokratie zunehmend unter Druck geriet: wirtschaftliche Not, politische Radikalisierung und Gewalt prägten die letzten Jahre der Weimarer Republik. Gleichzeitig entstanden Literatur und Musik, die bis heute nichts von ihrer Kraft verloren haben.

Roman Knižka ließ an diesem Abend Texte von Erich Kästner, Mascha Kaléko, Bertolt Brecht, Viktor Klemperer und Sebastian Haffner lebendig werden. OPUS 45 verband die literarischen Zeugnisse mit der Musik ihrer Zeit. Werke von Hanns Eisler und Kurt Weill trafen dabei auf bekannte Melodien der Comedian Harmonists.

Roswitha Bley und Jochen Schmidt begrüßten die Gäste und eröffneten den Abend.

Zu Beginn machte Roswitha Bley für die WIR-Initiative deutlich, weshalb ein solcher Abend mehr sein soll als eine historische Rückschau. Demokratische Strukturen verschwinden nicht von einem Tag auf den anderen. Sie geraten dort unter Druck, wo Toleranz und Respekt an Bedeutung verlieren und Menschen aufhören, aufmerksam zu sein.

Jochen Schmidt, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, fügte hinzu:

„Wir können aus der Geschichte lernen, wie fragil Demokratie ist. Es ist wichtig zu verstehen, was passieren kann. Und wenn wir verhindern wollen, dass sich Geschichte wiederholt, müssen wir wissen, wie es dazu kommen konnte.“

Damit schlug die Veranstaltung bewusst eine Brücke in die Gegenwart. Die historischen Texte erzählten von einer vergangenen Epoche. Zugleich stellten sie Fragen, die auch heute eine Antwort verlangen.

Im Anschluss an die Konzertlesung fand auf dem Schweriner Marktplatz eine Kundgebung statt. Die evangelische und katholische Kirche sowie Gewerkschaften riefen einen Tag vor der Landtagswahl zum gemeinsamen Singen auf.

Der Abend endete auf dem Schweriner Marktplatz, wo zahlreiche Menschen gemeinsam mit Gewerkschaften und Kirchen u.a. „We shall overcome“ sangen.

Wir danken Roman Knižka und OPUS 45 für diesen eindrucksvollen Abend sowie allen Mitwirkenden und Unterstützenden, die die Veranstaltung möglich gemacht haben. Dazu zählen die Partnerschaft für Demokratie Schwerin sowie die Volkssolidarität Mecklenburg-Vorpommern.